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Barockstadt des Erzgebirges

 

Am 13. August 1719 läuteten die Feuerglocken in Schneeberg Alarm. Im Zentrum der Stadt entwickelte sich ein Brand. Schnell züngelten sich die Flammen durch Wohn- und Gewerbehäuser. Die Retter in der Not brachten den aufkeimenden Feuerteufel nicht unter Kontrolle. Eine lange Trockenperiode und nicht ausreichende Löschmittel begünstigen ein Flächenfeuer, das sich zum verheerendsten Brand in der Stadtgeschichte von Schneeberg entwickelte. Die Gebäude in der Innenstadt wurden alle Opfer der Flammen. Kaum ein Haus, welches keinen Brandschaden meldete.

Schneebergs Bürger zögerten nicht lange mit dem Wiederaufbau. Durch Bergbau und Handel zu Wohlstand gelangt, war ausreichend Kapital vorhanden, um einen neuen Start zu wagen. In der gesamten Innenstadt entstanden solide und massive Steinhäuser. Sparsam, wie der Erzgebirger ist, wurde jedes erhaltene Baumaterial nachgenutzt. Dort, wo der Brand nicht alles vernichtet hatte, wurde in diese Substanz eingebaut.

Im Gebäude Markt 9 konnte so eine sehr gut erhaltene Holzbalken- decke aus der Mitte des 17. Jahrhunderts freigelegt werden. Heute befindet sich in diesem Raum die Bibliothek der Sächsischen Landes- stelle für Volkskultur. Leider ist dieser Raum nicht für den Publikumsverkehr freigegeben.

Bei Rekonstruktionsarbeiten am „Schmeilhaus“ auf dem Fürstenplatz wurden Teile vom Originalportal freigelegt, das der Bauherr als Eckmauerung „nachgenutzt“ hat. Es ist im Eingangsbereich des rekonstruierten Hauses zu besichtigen. Das Haus besticht mit seiner zweiseitigen Rokoko - Fassade. Der Wiederaufbau von Schneeberg nach 1720 fällt zeitlich in den Hoch- oder Spätbarock. Deshalb tragen viele Häuser im Zentrum der Stadt wieder stolz ihre frisch rekonstruierten Fassaden zur Schau.

Das städtebauliche Ensemble der Innenstadt ist in seiner Gesamtheit denkmalgeschützt. Besonders sehenswert ist neben dem „Schmeilhaus“ und dem „Freitag-Haus“ auch das Rathaus der Bergstadt. Wenn auch in einem ganz anderen Baustil. Obwohl auch das Rathaus einst ein ansehnlicher barocker Zeitzeuge war. Das zeigt eine Ansicht in zwei Bleiglasfenstern von Schneebergs Ratssaal. Brandstiftung zerstört jedoch diese Gebäude im Jahr 1849. Bis 1852 wird es wieder aufgebaut. Das Rathaus zeigt sich jetzt mit einer klassizistischen Fassade und fällt im Ensemble der barocken Häuser in der Mitte des Marktes besonders auf.

Eines der prachtvollsten barocken Häuser ist das „Bortenreuterhaus“ in der Oberen Zobelgasse, dem heutigen Museum für bergmännische Volkskunst. Textilfabrikant Bortenreuter hat es sich in den Jahren 1724 bis 1727 bauen lassen. Eine Visite in Schneeberg ist ohne ein Besuch dieses einzigartigen Kleinodes gesammelter Volkskunst unvollständig. Zu diesem Museum gehört das technische Museum „Siebenschlehener Pochwerk“ im Ortsteil Neustädtel.

 

 

 

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