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Historische Darstellung - Bergmann bei der Arbeit

 

 

 

Bergbau > Geschichtliches > Gedichte

Die Halde

 

Schacht und Halde

Ach, könnt die Halde mir heut klagen,

was sie erlebte und gesehen,

in jenen wilden Bergwerkstagen,

was allhier ’rum geschehen.

 

Ein jeder Stein hat hier Gesicht,

die Halde hat unheimlich viel.

Erzählte sie uns die Geschicht’,

nach Jahren käm’ man nicht ans Ziel.

 

Von Bergmannsglück und Bergmannsleid,

von Freundschaft Untertage.

Von einer großen Bergwerkszeit,

von Freude und von Klage.

 

Von Seilfahrt und dem dunklen Schacht,

vom Ehrgeiz, noch zu sprengen.

Vom Förderweg in dunkler Nacht,

Gedanken sich aufdrängen.

 

Wer wußt’, wie es dem Bergmann geht,

nach mühevoller Schicht,

wenn er noch dort im Füllort steht

uns sehnt sich nach dem Licht.

 

Sehnt sich nach seinem kleinen Garten,

da draußen vor der Stadt.

Sieht in Gedanken die Lieben warten,

und sein Gesicht, das lächelt matt.

 

Die Förderglocke schreckt ihn auf,

es war ein kleiner Traum.

Sein Sinnen das war schon zu Haus,

des Füllort’s Stille gab ihm Raum.

 

Ach könnt’ die Halde uns berichten,

von einer großen Bergmannszeit.

Die alten Bergmannsreihen sich lichten –

ich hoff’, dass meine Zeit noch weit.

 

Wie oft bin ich wohl eingefahren,

sinnend still mit zwanzig Mann –

und Seil-und Räderklang die waren,

unser Lied im Schachte dann.

Und nach der mühevollen Schicht,

ging’s wieder hoch zur Sonne.

Wie blendete uns da das Licht

und doch war’s reine Wonne.

 

Wie oft stand auf der Halde ich

und sah ins Land hinaus

und eine Frage drückte mich:

wie sah wohl jener aus?

Ein Stein in meiner Hand,

den sah ich lange an –

ist er noch hier im Bergmannsland

und wer war dieser Mann?

Lebt er noch, der diesen Stein

dem Berge abgewonnen?

Es müssen viele Jahre sein –

so denke ich versonnen.

 

Und plötzlich, ganz still bin ich,

die Halde fängt zu sprechen an.

„Mein Freund, nun setzte Dich

und denke immer dran.

Der diesen Stein gebrochen hat,

der ist im Schacht geblieben,

es war ein Brand, die Wetter matt,

die Angst hat ihn getrieben.

Man fand ihn dann nach Tagen,

als man den Damm zerstört –

schwer war es zu ertragen,

als ich davon gehört.“

So sprach die alte Halde,

versonnen geh’ ich heim,

und überm Haldenwalde

liegt Abendsonnenschein.

 

So ist’s mit vielen Dingen,

die wir nicht recht versteh’n,

du kannst die Welt nicht zwingen

ganz einfach still zu steh’n.

Und dennoch sag ich offen:

„lasst eine Halde steh’n!“

wag’s trotzdem kaum zu hoffen –

doch auch die Enkel soll’n sie seh’n!

 

 

 

Gedichte von Hans Neugebauer

 

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