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Die Weißerdenzeche in Aue Vom „Weißen Zeug“ zum begehrten Grundstoff des Meissener Porzellans
Zu den Gruben, die schon lange Zeit das Schnorr`sche Hammerwerk Auerhammer mit Eisenstein versorgten, zählte auch die Grube Roter St. Andreas am Lumbach. Sie wird Mitte 1696 als voll im Besitz von Veit Hans Schnorr aufgeführt. Hier stieß man 1700 auf „weißes Zeug“, dessen Eignung als Zuschlag für die Produktion der Eschelsorte, der teuersten blauen Farbe, vom Farbmeister des Blaufarbenwerks Niederpfannenstiel spätestens 1704 ausgeforscht worden war. Ein Bergregister der Grube für das vierte Quartal 1704 bezeugt, dass beim weiteren Auffahren „naufwarts . . . etwas von Weißen Zeug gewonnen worden“ und man eine Kaue erbaut hatte. Die Einreichung des Bergregisters beim Bergamt Schneeberg Anfang 1705 mit der Meldung der Gewinnung des „Weißen Zeugs“ rief automatisch das kurfürstlich-königliche Zehntenamt in Schneeberg auf den Plan. Mit Schreiben vom 25. Juli 1705 erstatteten der Zehntner Johann Blüher und sein Vize Johann Gottlieb Voigt Bericht von der erbrochenen „Weißen Erde“ an das Dresdner Berggemach. Dieses befielt am 31. März 1706 dem Zehntenamt, dass davon jeder Zentner treulich zu berechnen ist und „auch daß diese Erde nicht Unsern Farb Commercio oder sonst zum Nachtheil auswartig verbrauchet werde, Acht zu haben“.
Der Einfall der Schweden ließ die weiße Erde wieder in Vergessenheit geraten. Und auch bei der Erfindung des Böttgerporzellans spielte die weiße Erde von Aue keine Rolle. Eine Versuchsaufzeichnung vom 15. Januar 1708 gilt als dessen Geburtsstunde. Scheinbar hat auch die Anweisung des Königs August des Starken vom 12. März 1708, dass aus allen Ämtern, „wo Thon gegraben wird, eine aufrichtige Probe von 30 bis 40 Pfund förderlichst einzuschicken ist“, vorerst keine Wirkung gezeigt. Erst im Juli 1708 geht jedenfalls ein Schreiben des Zehntners Laurentius aus Schneeberg an das Dresdner Berggemach ab, nach dem dies als bestätigt angenommen werden kann. Denn in diesem berichtete der Zehntner, dass „von der alda brechenden Weißen Erde, der Lehn Träger Veit Hannß Schnorr den Zehnten zu entrichten, sich weigere“. Vorher scheint also eine Fuhre (etwa 24 Zentner) weiße Erde nach Dresden abgegangen zu sein.
Warum die weiße Erde von Aue vorerst nicht recht beachtet worden ist, bleibt uns verborgen. Wir dürfen vermuten: War es die große Entfernung, das störrische Wesen Schnorrs oder die Hoffnung, mit dem preiswerteren kaolinitischen Ton von Colditz noch zum durchschlagenden Erfolg zu kommen?
Die Schwierigkeiten, mit denen Böttger 1710/1711 bei der Überführung der im Experiment gelungenen Herstellung von Porzellan in eine verlässliche Produktion zu kämpfen hatte, scheinen ihn veranlasst zu haben, sich wieder der Auer weißen Erde zuzuwenden. Der Termin seines Sinneswandels ist recht gut auszumachen. Wurden von ihm noch am 30. März 1711 lediglich 200 Taler für den Kauf von Colditzer Ton zum „weißen Porcellain“ und 1000 Taler zum „roten Porcellain“ (Böttger-Steinzeug) angefordert, so übergab er nur 15 Tage später, am 14. April 1711, der Manufaktur-Kommission ein Memorial an den König „wegen der Schnorrischen bey Schneeberg brechenden weißen Erde“ und informierte sie darüber. In dem Memorial bat er um eine Verordnung, dass die Schnorrsche weiße Erde „gegen Bezahlung zu denen Manufacturen allein geliefert, und sonst niemanden etwas davon verkauffet“ werden dürfte. Sein Antrag auf Reservierung der Schnorrschen weißen Erde, aber auch des Colditzer Tons, für die Porzellanmanufaktur wurde wohl erst nach längerer Diskussion bergrechtlicher Fragen im Berggemach und im Oberbergamt am 9. September 1711 befürwortet. Am 3. November 1711 traf dann die erste Lieferung weißer Erde aus Aue zur Herstellung des weißen Porzellans bei der Manufaktur in Meißen ein.
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(Text: B. Lahl, Chemnitz)
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