Bergstadt Schneeberg
 
Bergbau-Begriffe
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Allgemeines
Um die Vielzahl der bergmännischen Begriffe aus dem Erzgebirge zu verstehen, haben wir für Sie diese kleine Zusammenstellung gemacht.

Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dient nur für eine kleine Übersicht.

Für Anregungen sind wir dankbar. Senden Sie Ihre Anregungen und Vorschläge an die Touristinformation per [ E-Mail ], so das wir sie bei der nächsten Aktualisierung berücksichtigen können.

Viele weitere Begriffe des bergmännischen Sprachgebrauchs und Erklärungen finden Sie unter: [ www.wolkenburger-bergbaurevier.de ]

Abbauverfahren
  • Das älteste Abbauverfahren im untertägigen Bergbau war der Strossenbau.
  • Im 17. und 18.Jahrhundert ging man allmählich zum vorteilhafteren Firstenbau über -Als Firste bezeichnet der Bergmann die Decke des von ihm hergestellten untertägigen Hohlraums. Unter Firstenbau oder Firstenstoßbau versteht man deshalb eine Abbaumethode, bei welcher ein steil einfallender Gang von unten nach oben abgebaut wird, d.h, Angriffsfläche ist die Decke des bergmännischen Hohlraums, die sog. Abbaufirste.
  • Seit dem 20.Jahrhundert kam die besondere Form des Firstenstoßbaues zur Anwendung -Zum Abbau steineinfallender Gang, der von unten nach oben abgebaut wird.

Amboss
Der steinerner Stock (Amboss) diente zum Ausschlagen der Erze.
Das Ausschlagen war der erste Teil der Aufbereitung der Kobalterze von Hand. Es war eine mühevolle und harte Arbeit.
Hier arbeiteten vor allem die Bergleute, die nicht mehr einfahren konnten.

Abzugsrösche
Als Rösche bezeichnet man den untertägigen Teil eines Grabensystems.
Die gewölbten und gemauerten Röschenmundlöcher bilden den Übergang zwischen Rösche und Kunstgraben.
Das abfließende Betriebswasser wurde durch die Abzugsrösche abgeführt, um es den Pochwerken zuführen zu können.
Daneben war in der wie ein Stolln ausgebauten Rösche ein Transport der geförderten Pochgänge (Erze, welche im Pochwerk aufbereitet wurden) möglich.

Bewetterung
Die für einen untertägigen Bergbaubetrieb unerlässliche Zuführung von Frischluft nennt man Bewetterung. Im Bergbau vor 1945 wurde fast ausschließlich die „natürliche Bewetterung“ angewandt.
Hier nutzt man die Temperaturunterschiede innerhalb und außerhalb der Grube sowie Tagesöffnungen in unterschiedlicher Höhe im Gelände. Dadurch stellt sich eine Luftbewegung (Wetterzug) ein.
 
Technische Maßnahmen zur Verteilung der Wetter auf verschiedene Bereiche eines Bergwerks mittels Zwangsbewetterung:

a) der unbeeinflusste Wetterstrom lässt Teile eines Bergwerks unbewettert

b) durch Lenkung des Wetterstromes werden auch entlegene Bereiche des Bergwerkes mit Luft versorgt
   

Erzfuhrweg
DerErzfuhrweg - ein Beispiel ist der Weg von der Fundgrube Daniel bis zum ca. 1.4 km entfernten Roten oder Danieler Pochwerk.
Über Jahrhunderte wurde auf diesem mit uraltem Pflaster versehenen Weg das schwere Erz mit Pferdefuhrwerken transportiert.
Die Pochwerke nutzten Wasser als Antriebskraft und wurden deshalb in den Tälern errichtet.

Flößzechen
Zwischen Scheibe und Priesterschacht bauten im 17. und 18. Jahrhundert mehrere Gruben „Eisensteinflöße“ ab. Es handelte sich im wesentlichen um die Granatvariante „Grossular“.
Diese diente als Flussmittel in den Eisenhammerwerken im Muldental. Der tagesnahe Abbau der Gesteinslager hat keine oberflächlichen Spuren (Halden) hinterlassen.

Filzteich
„Der große Filzteich ist deshalb so genannt, weil seine Südseite an ein Terrain anstößt, das aus Granitverwitterung besteht und mit Torf, welches von dem Volke Filz genannt wird, bedeckt ist.“

So schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe 1786 bei seinem Besuch im Schneeberg-Neustädtler Bergrevier.

Ältester Stausee Sachsens, von 1483 bis 1485 errichtet. Nutzung von 1485 bis 1932 ausschließlich für bergbauliche Zwecke.

Technische Daten:


  • Größe der Wasserfläche: 23 ha
  • Fassungsvermögen: 370 000 m³ Wasser
  • Höhe des Wasserspiegels: 544,69 m. NN

Das Grubenfeld
Im kursächsischen Bergbau betrugen die Abmessungen jeweils 3,5 sächsische Lachter, also 7 Meter beiderseits des Ganges, dem sie auf einer Länge von 42 Lachtern nach seinem Streichen und Fallen folgten. Lediglich auf diesem begrenzten Teil, nicht auf dem gesamten Gang wurde dem Muter das Abbaurecht verliehen, jedoch stand es ihm zu, weitere Grubenfelder zu muten.

Diese sich oberhalb und unterhalb der Fundgrube auf dem Erzgang anschließenden Grubenfelder wurden als Maßen bezeichnet, ihre Fläche war geringer als die der Fundgruben. Machte der Fundgrübner von seinem Vorrecht auf die Maßen nicht Gebrauch, konnten diese anderweitig verliehen werden.
 
1 Lachter
im 16. Jahrhundert
im 17. bis 19. Jahrhundert
ca. 1,70 m
ca. 2,00 m
 
1 Fundgrube
1 Maß
42 Lachter
28 Lachter
 
Beispiel:
oberes 1. und 2. Maß
nach St. Michael (Michaelmaßen)
St. Michael Fundgrube
(Teil der Gesellschaft)

Halden
Halden gehören zu den wichtigsten Sachzeugen des historischen Bergbaus.
Sie entstanden durch Ablagerung von „taubem“ Gestein (= erzleer oder zu geringhaltig) die direkt beim Förderschacht oder vor dem Mundloch eines Stollns abgelagert wurden. Nach Einstellung der Gruben und dem Verfall der meist hölzernen Anlagen künden sie oft allein noch von der Existenz einer Grube. Die Lage vieler alten Gruben ist heute nur noch durch ihre Halde festzustellen. Schon in früheren Zeiten wurden sie als Hinweis auf eine Lagerstätte oder gar als Rohstofflieferant für vorher nicht genutzte Mineralien (Kobalt, Uran) genutzt.

Halden dokumentieren:

  • in ihrer Größe die Bedeutung der Lagerstätte bzw. der Grube
  • in den abgelagerten Gesteinen die Geologie der Lagerstätte
  • in ihrer Lage das Ausstreichen der Erzgänge und die Existenz von unterirdischen Hohlräumen (z. B. Schächte, Strecken, Abbaue)
  • in der Korngröße des Materials und eventuell vorhandenen Bohrlöchern das Alter der Grube und die Entwicklung der Technik
     
Die Halden stellen ein wichtiges Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere dar. Auch aus diesem Grund sollten Eingriffe an den Halden vermieden werden.

Kunstgräben
1485 bis 1930 wurden die Gruben des Schneeberger Reviers über ein viele Kilometer langes Wasserverteilungssystem mit Aufschlagwasser (Betriebswasser) für ihre Maschinen versorgt.
Den Anfang bildete dieser Hauptkunstgraben (siehe Bilder), welcher ursprünglich bei der Fundgrube Peter und Paul endete, 1818 aber bis Wolfgangmaßen verlängert wurde.
Der Weg neben dem Graben diente der Kontrolle. Die Wasserabgabe aus dem Filzteich wurde über Schieber geregelt.

Meridianstein
Meridianstein(allgemein) nennt man ein Denkmal oder einen Bezugspunkt, das einen der wichtigen Meridiane – die Linie gleicher Längengrade – markiert.
Unser Meridianstein wurde 1838 vom Freiberger Professor Julius Weißbach und Bergmechanikus Lingke als Bezugspunkt für alle markscheiderischen Vermessungsarbeiten im Schneeberger Revier errichtet.
Er befindet sich nahe der Fundgrube Gesellschaft.

Schachtförderung
Die älteste, einfachste und verbreitetste Technik der Schachtförderung war der Handhaspel. Eingesetzt wurde dieser auf kleinen Schächten bis ca. 50 m Teufe. Tiefere Schächte wurden mit so genannten Göpeln ausgerüstet.

Zur Anwendung kamen:
 
Technik
Beginn der Anwendung
Beispiel
 
 
Handgöpel
mit dem Beginn des Teufens von Schächten
Brigitte Tagschacht
 
Pferdegöpel
15. Jh., wieder ab 1784
Sonnenwirbel Fundgrube
Daniel Fundgrube
 
Kehrradgöpel
ab ca. 1500
ab 1853
Parzifal Fundgrube
Fundgrube Weißer Hirsch
 
Turbinengöpel
ab 1853
Gesellschafter Zug
 
Wassersäulengöpel
ab 1855
Schindler Richtschacht
 
Dampfgöpel
ab 1875
Neujahrschacht
 
Elektrische Förderanlage
ab 1912
Sauschwart Fundgrube

Schurf
Die wichtigste Möglichkeit zum Aufsuchen von Lagerstätten (Prospektion) war in früherer Zeit die Anlage von Schürfen. Mit dem Aushub einer Grube bis zum festen Gebirge versuchte man, das Ausgehende von Erzgängen freizulegen.

Große landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden so ruiniert. Im Laufe der Zeit wurden diese Schürfe wieder eingefüllt. Erhalten blieben sie nur in Waldgebieten.

Schachtpinge
Eine große Anzahl von Tagschächten wurde vor allem in der Anfangszeit des Bergbaus angelegt. Viele dieser alten, tagesnahen Grubenbaue sind heute unbekannt.

Zur Bewetterung der Stollen dienten diese Tagschächte, welche senkrecht nach unten in den Berg führten (kaminartige Schächte). Sie dienten aber auch zur Förderung des Erzes.

Wurden die Schächte verlassen und der Holzausbau verfaulte, kam es zum Verbruch und der Bildung von Schachtpingen. Diese liegen meist im Ausgehenden der Erzgänge nach Übertage undbilden ähnlich wie die Schurfpingen mehr oder weniger flache Trichter im Boden. Schurf und Schachtpingen sind schwer von einander zu unterscheiden.

Signale im Bergbau
Auf Schächten, welche zur Förderung mit Göpeln oder Fördermaschinen ausgerüstet waren, dienten Signaleinrichtungen der Verständigung der im Schacht arbeitenden Bergleute mit den Treibemeistern bzw. Fördermaschinisten.
Durch im Schacht eingebaute Gestänge oder Seile konnten sie im Treibehaus befindliche Glocken anschlagen.

Die wichtigsten Signale waren:

  • 1x Schlagen Halt
  • 2x Schlagen Hängen
  • 3x Schlagen Aufholen
     
Zur Kontrolle der ordnungsgemäßen Funktion der untertägigen Pumpen (Kunstgezeuge) wurden nach ähnlichem Prinzip Glocken, welche sich weit hörbar in Wächtertürmen auf den Treibehäusern befanden, angeschlagen (z. B. nach einer Umdrehung eines Wasserrads 1x). An der Zahl der Schläge pro Minute (meist 5 – 7x) konnte man selbst in einiger Entfernung von der Grube kontrollieren, ob die Maschine ordnungsgemäß funktionierte.

Als einzige Glocke im gesamten Schneeberger Revier, welche den Beginn der Schicht anzeigte, diente die sogenannte Häuerglocke, welche sich auf dem Turm der St. Wolfgangskirche befindet.

Tagesbruch
Als Tagesbruch bezeichnet man einen Bergschaden, der durch Risse und Einsturztrichter, auch Pingen genannt, an der Erdoberfläche sichtbar wird. Eine weitere und sehr gefährliche Art des Tagesbruches ist der Einsturz eines ehemaligen Schachtes, der nach der Beendigung des Abbaues unzureichend verfüllt wurde.
Zuerst wird die Bruchstelle gegen unbefugtes Betreten gesichert und dann, je nach Gefährdung, mit einer im festen Gestein eingebauten Betonplatte verwahrt, wobei aber nicht ausgeschlossen werden kann, dass es in der Umgebung zu weiteren Tagebrüchen im Verlauf des Erzgangs kommen kann.

Taggebäude
Die Kaue ist ein kleines, meist hölzernes Gebäude, welches zum Schutz der Bergleute über dem Schacht errichtet wurde. Meist befand sich darin ein Handhaspel.

Ein Treibehaus ist ein größeres Gebäude über einem tiefen Schacht, welcher mit einem Göpel oder mit einer Fördermaschine ausgerüstet ist.

Im Huthaus befand sich die Hut- oder Betstube, in welcher - vor und nach jeder Schicht die Bergleute zum Gebet zusammenkamen - und die Wohnung des Hutmanns. Viele Huthäuser hatten noch weitere Funktionen, wenn dafür kein weiteres Gebäude errichtet wurde.

In der Bergschmiede wurde vor allem das in jeder Schicht stumpf geschlagene Gezähe (Werkzeug) gestählt.

Das Zimmerhaus diente den Zimmerleuten als Werkstatt zur Vorbereitung der Grubenhölzer für den Einbau in der Grube. Steigerhaus - Hier befand sich die Wohnung des Obersteigers der Grube.

In der Ausschlagstube wurde das Erz ausgeschlagen, dem ersten Schritt der Erzaufbereitung. Je nach Bedarf befand sich hier auch eine Scheidebank zur weiteren Trennung der Erze.

Im Pochwerk mit dazugehöriger Erzwäsche wurden die Erze bis zur verkaufsfähigen Ware angereichert.

Vorratskammer - Hier wurden die Materialien gelagert.

Kobaltkammer - Hier wurde das reine Erz gelagert.

Zur sicheren Aufbewahrung des Schwarzpulvers dienten Pulverhäuser oder Pulvertürme.

Über ein ausgedehntes System von Holzröhrenleitungen wurde Wasser zu den Wasserhäusern geleitet, um die Gruben mit Trink- und Brauchwasser zu versorgen.
 

Zinnseifen
Zinnseifen sind sekundäre Zinnlagerstätten, die sich in Tälern durch Verwitterung von sogenannten Zwittergängen und - stöcken gebildet haben. Erstmals wurde das Seifen von Zinn am Filzbach 1394 erwähnt. Raithalden sind die noch sichtbaren Überreste. Dieser Bergbau beeinflusste die Entwicklung Neustädtels vom Dorf zur Stadt.

Während die germanische Besiedelung des westlichen Erzgebirges, Deutschland, im 12. Jahrhundert durch Bauern aus Franken, der Main-Gegend, Oberfranken und Thüringen erfolgte (SCHRAMM, 2006), wurde das eigentliche Waldgebiet durch Bergleute aus dem Fichtelgebirge aufgeschlossen, die die Zinnseifen der heutigen Ortschaften Neustädtel, Zschorlau, Sosa, Bockau bis nach Eibenstock (Auersberg), und Gottesgab (Fichtelberg), Seiffen, Platten, Bärringen, Hirschenstand, Neuhammer und Neudeck abbauten. Sand- und Kiesablagerungen der Flüsse oder ehemaligen Flussläufe enthielten fein verteilten Zinnstein, selten Kristalle (sog. Zinngraupen). Nach aufwändigem Auswaschen des Zinnsteins aus diesen Ablagerungen erfolgte eine Anreicherung des Zinnsteins in einem Luterhobel. In diesem „Schwerekonzentrat“ fanden sich neben Zinnstein auch Schörl, Wolframit, Granat und als große Seltenheit Gold in feinen Schuppen (vgl. dazu SCHRAMM, 2006; Erzgebirgisches Sonntagsblatt, 1929).

(Auszug aus -MITT.ÖSTERR.MINER.GES. 152 (2006) - ÜBER DIE ETYMOLOGIE UND DIE TYPLOKALITÄTEN DES MINERALS SCHÖRLvonAndreas Ertl -Institut für Mineralogie und Kristallographie, Universität Wien, Geozentrum, Althanstrasse 14, A-1090 Wien, Austria)

Zwickauer Spatgang
Die Gruben auf dem Zwickauer Spatgang wurden 1499 erstmals erwähnt. Die Silberförderung begann 1513.
Ab 1689 wurden von der sogenannten „Neujahr Fundgrube“ Kobalterze abgebaut.
Sie wurden im Gesellschafter Treibeschacht zutage gefördert. Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte die Vereinigung mit der Fundgrube Gesellschaft.

Wasserhaltung
 
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Bis zum 19. Jahrhundert war Wasser die dominierendste Antriebskraft für die Maschinen im Schneeberger Bergbau über- und untertage. Durch ein über Jahrhunderte ausgebautes System von Gräben und Röschen (unterirdischer Wasserlauf) leitete man Wasser von den Bächen zu den Gruben für die Förderung, Wasserhaltung und Aufbereitung.

Oft wurde es je nach Gefälle mehrfach genutzt. Teiche dienten als „Energiespeicher“, damit auch in Trockenperioden eine kontinuierliche Wasserabgabe gewährleistet werden konnte.

Eine das Prinzip darstellende Abbildung sehen Sie links.
   
 
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